Sidecar mit 4 Rdern

Amiga's Sidecar wird ein selbstndiger PC


Helmut Bernhardt, Christof Ueberschaar

Eine der aufwendigsten Varianten, einen PC-XT zu betreiben, 
besteht darin, anstelle einer Tastatur und einer Video-Karte 
mit angeschlossenem Monitor einen kompletten 68000-Computer 
mit einem aufwendigen Interface fr solche Kleinigkeiten zu
bemhen. Dieser vornehme Stil wurde beim Gespann Amiga1000 
und dem dazugehrigen Sidecar gewahrt. Kurze Zeit nach der
Einfhrung wurde diese aufwendige Kombination durch die Nach-
folgemodelle Amiga500 und Amiga2000 abgelst. Die Motherboards
des Amiga Sidecars werden heute noch im Elektronik-Ramsch-
handel fr ca. 15 DM verkauft.

Bei nherer Untersuchung stellt sich heraus, da dieses Board
fast ein vollstndiges XT-Motherboard mit 256K RAM (aufrstbar 
auf 512K) und zustzlichem Floppy-Controller ist. Um aus dem
Sidecar einen selbstndigen PC zu machen, mu nur noch ein
Tastatur-Interface nachgerstet werden und eine Video-Karte
in eines der leider nur 3 vorhandenen Slots gesteckt werden.
Dabei mag es trstlich sein, da ein Floppy-Controller bereits
auf dem Motherboard vorhanden ist.

Aus den Schaltplnen eines anderen PC-Kompatiblen geht hervor,
wie der Anschlu einer Tastatur zu erfolgen hat. Danach sollen
die seriell/parallel-gewandelten Scan-Codes der Tastatur ber 
den als Eingang konfigurierten Port A eines 8255-Parallelport-
-Bausteins eingelesen werden. Die Steuerung der Tastatur wird
ber D6 und D7 des als Ausgang eingestellten Port B des 8255
durchgefhrt. Die anderen Bits des Port B erledigen weitere
Aufgaben wie Sound-Ausgabe, Rcksetzen von Flags bei Parity-
-Fehlern im Speicher oder Fehlern bei Erweiterungskarten und
Anwahl der unteren oder oberen Vierergruppe des Dil8-Schalters
(zur Vorgabe der Systemkonfiguration) zum Auslesen ber die 
untere Hlfte des Port C des 8255. Die obere Hlfte des Port C
dient zum Auslesen der Fehlerflags und des jeweiligen Pegels
am Lautsprechereingang.

Einen 8255 sucht man im Sidecar aber vergebens. Andererseits
mssen bis auf Parity-Check (die Sidecar-Hardware sieht dies
nicht vor) und Tastatur-Anschlu (was durch das Amiga-Interface
bereitgestellt wird) alle anderen Funktionen des 8255 auch im
Sidecar auf andere Art realisiert sein, denn die entsprechenden
Steuerungen funktionieren dort einwandfrei. 

Auf der Suche nach Fragmenten des 8255 stt man zunchst auf 
U25, 74HCT174. Mit diesem Latch werden 5 Ausgabe-Bits des Port B 
des 8255 bereitgestellt. Die Pins 2, 4 und 6 bleiben dort aber 
unbercksichtigt.

Der Port C des 8255 wird durch U20, 74HCT257 (Auslesen des Dil8-
-Schalters SW1 ber D0-D3) und U26, 74HCT367 (Auslesen von Fehler-
flags ber D4-D7) dargestellt. Port A, ber den die Scan-Codes
der Tastatur einzulesen sind, fehlt gnzlich und eine Mglichkeit,
die ber die verfgbaren Bits von Port B eingestellte Systemkon-
figuration zurckzulesen, ist auf dem Motherboard auch nicht zu 
finden. Diese Funktionseinheiten werden offensichtlich vom Amiga-
-Interface bereitgestellt und mssen bei dessen Wegfall nachge-
rstet werden.

Die in Abbildung 1.1 gezeigte Schaltung stellt den mit einem 74LS245
nachempfundenen Port A des 8255 dar, ber den ein 74LS322-Seriell/
Parallel-Wandler angeschlossen ist. Das ber D6 und D7 von Port B
abgewickelte Handshaking zwischen Tastatur und Computer wird mit 
einigen Flip Flops und Open Collector Treibern realisiert. Das 
Freigabesignal zum Auslesen von Port A und auch die Freigabesignale
zum Lesen und Schreiben von Port B werden mit der in Abbildung 1.2
wiedergegebenen Schaltung erzeugt.


(hier Sidecar0005.jpg einfgen)


Der Port B lt sich gem Abbildung 1.3 auch rcklesbar gestalten.
Um den Verdrahtungsaufwand zwischen Zusatzschaltung und Motherboard
in Grenzen zu halten, wird der Port B zustzlich zu der in U25 auf 
dem Motherboard schon vorhandenen Form auf dem Tastatur-Interface
nochmals durch einen 74LS576 und einen 74LS245 unter Bercksich-
tigung aller 8 Bits zur Verfgung gestellt (Abb.:1.3).


(hier Abb 1.3 einfgen)


Diese Schaltungselemente lassen sich auf einer kleinen Platine unter-
bringen, die anstelle des Amiga-Interface auf die Steckerleiste J3
aufzusetzen ist. Dafr mu von der Ltseite des Platinchens eine 
34polige Pfostenbuchse angeltet werden. Bei Beschaffungsschierig-
keiten leistet auch eine VG64-a,b-Buchse nach Ablngen auf 34 Kontakte
diesen Dienst.

Auer den auf J3 zugnglichen Signalen (+5V, GND, Daten und Adressen)
mssen noch einige Signale von J4 und von 2 Punkten auf dem Mother-
board zugefhrt werden. Die Anschlupunkte auf dem Platinchen sind 
aus Abbildung 2.3 zu ersehen, sie mssen mit folgenden Punkten auf
dem Motherboard verbunden werden.

Signal von/zu          Anschlupunkt auf
Tastatur-Interface     dem Motherboard
------------------------------------------
   IRQ1                J4, Pin 28
   PCLK                U27, 74LS74, Pin 3
   /PB7                J4, Pin 17
   /RESETI             U25, 74HCT174, Pin1
   /IOWC               J4, Pin 8
   /IORC               J4, Pin 7
   AEN                 J4, Pin 9
------------------------------------------ 


(Abb. 2.2 einfgen)


Der einfachen Schaltung entsprechend ist das Layout einseitig mit
einer entsprechenden Anzahl Drahtbrcken (Abb.:2.2) ausgefhrt. Die
Drahtbrcken mssen vor dem Einlten der ICs bzw. der IC-Sockel 
(nur anreihbare Typen verwenden) in dnnem Kupferlack-Draht oder
Wrapdraht gezogen werden, um bei der teilweise dichten Lage Kurz-
schlsse zu vermeiden.

Neben dem Widerstandsnetzwerk sind die Anschlsse fr die Tastatur
zu finden. Die Belegung der blichen 5poligen Diodenstecker von 
PC-Tastaturen geht aus Abbildung 3 hervor.


(Abb. 3 einfgen)


Ganz ohne Eingriffe auf dem Sidecar-Motherboard geht es leider doch
nicht. Pin 9 von U27, 74LS74, der ebenfalls den Tastatur-Hardware-
-Interupt IRQ1 bedient, mu durchtrennt werden. Fr eine einwand-
freie Funktion ohne Amiga-Interface sind die Schalter 1 und 2 des
Dil4-Schalters SW2 auf ON zu stellen, damit nicht die Ausgnge
eines CD4020-Zhlers die Bits 0 und 3 des Datenbus bei Zugriff auf 
den Videokarten-Statusport 3BAh (Schalter 1 OFF) bzw. 3DAh (Schalter 
1 ON) belegen.

Ein PC-XT mit 4,77MHz Takt und 512K RAM ist nun nichts Umwerfendes,
er reicht aber fr die meisten Anwendungen aus und kann auf diese 
Weise sehr kostengnstig realisiert werden. Wer etwas mehr heraus-
holen will, kann einen V20-Processor und ein V20-BIOS einsetzen und
gewinnt dadurch nochmal gute 10% mehr Geschwindigkeit.

Leider pat er wegen der Anordnung der Slots in kein bliches PC-
-Gehuse und stellt nach Einstecken von Video-Karte und Harddisk-
-Controller auch nur noch ein freies Slot zur Verfgung. Auch beim 
Anschlu eines Netzteils mu man die einzelnen Kabel dem anders 
belegten Anschlustecker auf dem Motherboard anpassen.


.bf
Belegung der Pfostenleisten J3 und J4

        Stecker J3                    Stecker J4
-------------------------------------------------------------
   +5V   1     2   +5V         +5V   1     2   +5V
    nc          4   nc        /MEMR   3     4   /MEMW
    D0   5     6   D1                       6   nc
    D2   7     8   D3        /IORC   7     8   /IOWC
    D4   9    10   D5          AEN   9    10   /DACK0
    D6  11    12   D7          GND  11    12   CLK
    A0  13    14   A1          GND  13    14   IRQ3
    A2  15    16   A3         IRQ7  15    16   IRQ4
    A4  17    18   A5         /PB7  17    18   U29,Pin11
    A6  19    20   A7     I/OCHRDY  19    20   /RESET IN
    A8  21    22   A9          /WR  21    22   U40,Pin13
   A10  23    24   A11   U40,Pin11  23    24   nc
   A12  25    26   A13          nc  25    26   nc
   A14  27    28   A15   U40,Pin12  27    28   IRQ1
   A16  29    30   A17       SW2,4  29    30   SW2,1
   A18  31    32   A19       SW2,3  31    32   SW2,2
   GND  33    34   GND         GND  33    34   GND
-------------------------------------------------------------


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Stckliste

  Z1   74LS245          R1   2k2
  Z2   74LS322          RN1  Widerstandsnetzwerk
  Z3   74LS74                8-Pin, 7*4K7 oder 5-Pin, 4*4K7
  Z4   74LS74           C1   100nF Keramik
  Z5   7407             J3   34polige Buchsenleiste
  Z6   74LS245               (ltseitig bestcken)
  Z7   74LS576          Drahtbrcken (isolierter Draht)
  Z8   74LS32           Leiterkrtchen
  Z9   74LS138


